Die Sicht der Dinge – die Erzählperspektive

Die Sicht der Dinge – die Erzählperspektive

07.08.2018

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Die Sicht der Dinge die Erzählperspektive

Der Erzähler oder die Erzählerin zieht die Leser in den Bann Ihrer Geschichte. Daher ist die Frage der Erzählperspektive eine grundlegende Frage, die Sie als Autor vor Schreibbeginn klären sollten. Wir zeigen Ihnen, welche Vor- und Nachteile die verschiedenen Narrationsstrategien mit sich bringen …

 

Die Ich-Perspektive oder der Ich-Erzähler

Sie suchen eine Person, die in Ihre Handlung involviert ist? Mehr oder weniger stark kann der Charakter des Ich-Erzählers als Haupt- oder Nebenfigur Teil Ihres Plots sein. Denn der Ich-Erzähler erzählt aus seiner Sicht der Dinge. Ihre Lesers können durch die Einsicht in seine Gedanken und Gefühle die Taten oder Entscheidungen des Ich-Erzählers leicht nachvollziehen.
Falls Sie das Gegenteil beabsichtigen, können Sie den Leser durch seine Intensive Innensicht stören.
Gleichzeitig schränkt sich durch diese Perspektive allerdings auch der Informationsfluss ein, der Ihrem Leser zugänglich gemacht werden soll:
Es sollte immer nur das berichtet werden, was der Ich-Erzähler erlebt (hat), sonst gilt er als unzuverlässig und nicht vertrauensvoll.

Das erlebende Ich

Ich zog mir die nasse Wollmütze vom Kopf und schüttelte mir die Haare auf. Sie fühlten sich recht fein an, ich hatte das Gefühl, dass es etwas weniger geworden waren. Bis auf die Knochen nass nahm ich mir vor, das nächste Mal an einen Regenschirm zu denken. Ich war nie immer etwas schusselig, das musste ich mir selbst eingestehen. 

Mit dem erlebenden Ich tauchen die Leser ab in dessen Welt. Wie bei einer Livesendung erleben die Leser das mit, was dem Charakter in Ihrer Geschichte widerfährt. Durch diese Perspektive können Sie eine fesselnde Spannung erzeugen und die Leser mitreißen.

Das erzählende Ich

Ich zog mir die nasse Wollmütze vom Kopf und schüttelte mir die Haare auf. Dies würde auch später noch meine Gewohnheit, sein, selbst wenn mir das letzte bereits ausgefallen war.
Auch den Vorsatz das nächste Mal einen Regenschirm mitzunehmen, würde ich wie üblich nicht mehr in die Tat umsetzen. So war ich nun mal, auch wenn ich es mir damals nicht eingestehen wollte, dafür war ich zu stolz. 

Die Sicht des erzählenden Ichs gleicht der des erlebenden Ichs. Jedoch kann das erzählende Ich aus einer Rückschau heraus eine reflektierte Bewertung seiner Erlebnisse vornehmen. Diese Perspektive bietet die Möglichkeit, das Geschehen etwas distanzierter zu vermitteln. Gleichzeitig bleiben die Handlungen des Ichs für die Leser nachvollziehbar.

Vor- und Nachteile

Wenn Sie planen, dem Leser emotional an Ihre Figur zu binden, ihm den kompletten Einblick in dessen Gefühlswelt zu geben und dabei gewisse Informationen verschweigen möchten, ist der Ich-Erzähler die richtige Art der Narration für Sie. 

Vorsicht ist allerdings geboten, da diese intensiven Einblicke manchmal ermüden können, der Erzähler als zu “verkopft” angenommen wird oder gewisse Informationen nicht durch den Erzähler wiedergegeben werden können. Falls Sie doch etwa einstreuen wollen, was der Erzähler nicht wissen kann, sollten sie einen anderen Narrator wählen. 

Viele Autoren berichten aus Ihrer Erfahrung, dass Sie intuitiv Ihren Roman mit dem Ich-Erzähler beginnen, dann allerdings im Laufe des Schreiben feststellen, dass es doch noch einige Informationen gibt, die der Ich-Erzähler dem Leser nicht geben kann, wenn er zuverlässig sein soll. An dieser Stelle noch einmal umzuschreiben, ist mühsam, daher überlegen Sie genau, ob Sie den Ich-Erzähler wählen wollen.

 

Die auktoriale oder allwissende Perspektive

Diese Erzählerform ist die Königsdisziplin und steht im absoluten Gegensatz zum Ich-Erzähler: Hier weiß jemand alles. Alles, was passiert ist, alles, was passiert und alles, was passieren wird. Ein allwissender, ein über alle Informationen erhabener, ein göttlicher Erzähler! Er gibt dem Leser die Informationen, die er für erzählenswert hält, er knüpft Informationen wie ein Schicksalsgott zusammen und stellt Zusammenhänge her, die ein anderer Erzähler niemals  . Diese Stimme kann Zusammenhänge herstellen, die keine Person wissen kann, sie kann in die Zukunft sehen und vergangene Momente zurückholen und sie kennt die Gedanken und Gefühle aller Charaktere.

Adam zog sich die nasse Wollmütze vom Kopf und schüttelte sich verärgert die Haare auf, eine Gewohnheit, die ihm noch anhängen sollte, wenn das letzte bereits ausgefallen war. Auch den Vorsatz das nächste Mal einen Regenschirm mitzunehmen, würde er wie üblich nicht mehr in die Tat umsetzen. So war er nun mal, und auch wenn er sich das niemals eingestehen würde, war das der Grund warum am Ende doch alles so gekommen war.  

Vor- und Nachteile

Durch diese Perspektive bieten Sie den Lesern das Maximum an Informationen. Auch können Sie ihre Figuren durch diese Erzählsituation so ausführlich wie nur möglich charakterisieren, da Sie zahlreiche Standpunkte und Ansichten anderer Figuren einfließen lassen können.

Eine wichtige Überlegung ist allerdings die zur Distanz, die sich zwischen einem auktorialen, erhabenen Narrator und seinem Leser auftun kann. Möglicherweise könnten Sie durch diesen Erzähler Ihren Leser verlieren: Wenn Sie sich zu weit von Ihren Protagonisten entfernen, kappen Sie die emotionale Beziehung zwischen Leser und Figuren.

 

Die personale Erzählperspektive

Diese Narrationsstrategie ist die beliebteste und wird wie eine Art Kameraperspektive beschrieben: So schaut dieser Erzähler in das Geschehen.

Die personale Erzählperspektive bietet eine gute Mischung aus Distanz und Nähe zum Charakter. Die Leser erhalten zwar Einsicht in das Innere des Erzählers, andererseits fällt es durch die sprachliche Distanz der dritten Person leichter, den Charakter kritisch zu beurteilen.

Ähnlich wie bei der Ich-Perspektive können Sie bei der personalen Erzählsituation die Leser an den Gedanken und Gefühlen des erzählenden Charakters teilhaben lassen. Jedoch wird dieser Charakter mit Namen und in der dritten Person als sie oder er beschrieben. Anders als bei der Ich-Perspektive können Sie die Geschichte aus der Sicht mehrerer erzählender Charaktere darstellen.

Adam zog sich die nasse Wollmütze vom Kopf und schüttelte sich verärgert die Haare. Warum hatte er heute Morgen nicht daran gedacht, den Regenschirm mitzunehmen? Er nahm sich vor, das nächste Mal wirklich daran zu denken. Vielleicht sollte er sich eine Notiz schreiben, dachte er und suchte nach einem Stift.
Gisela ging indessen, den Schirm in einer Hand, das Kind an der anderen schweren Herzens nach Hause. Sie wollte mit Adam sprechen, es war endlich Zeit, das hatte sie sich geschworen.

 

Fazit

Welche Erzählperspektive für Sie in Frage kommt, sollten Sie nicht intuitiv beim Schreiben herausfinden. Ein Buch braucht Planung und eine genaue Überlegung, wie Sie den Leser abgreifen wollen. Und das schaffen Sie am besten, mit der genauen Überlegung:

Unsere professionellen Lektoren unterstützen Sie gerne bei der konsequenten Einhaltung der Erzählperspektive.

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