der erste Satz – Ihr Romananfang

der erste Satz – Ihr Romananfang

07.05.2018

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Berühren, wegweisen, fesseln – was der Romananfang alles können sollte und wie Sie den perfekten ersten Satz für Ihr Buch finden

Er ist wegweisend: der erste Satz, der Romananfang! Denn er entscheidet darüber, ob das Buch, das Sie veröffentlichen möchten, gelesen wird oder nicht. Der Beginn Ihres Textes ist also Grundlage dafür, ob der Leser Ihre Geschichte mag oder nicht. Der erste Satz soll berühren, er soll aufrühren, er soll fesseln: Er soll den Leser mitnehmen. Nun, das ist ein ziemlich heikles Unterfangen, also sitzen Sie noch immer vor dem leeren Blatt, der Cursor blinkt, der Beginn scheint am schwersten. Was tun mit dem Romananfang?

Gleich vorneweg: DEN Anfang gibt es nicht. Das beruhigt, verunsichert aber auch. Um einen Anfang zu schaffen, gibt es verschiedenste Möglichkeiten. Eine sehr schöne Methode, um die Angst vor dem weißen Blatt zu überwinden, ist das »Clustering«. Dahinter verbirgt sich eine Methode, die in einem Brainstorming so lange Assoziationen zur Geschichte hervorbringt, bis sich ein erster Satz im Kopf formuliert. Dazu kann alles aufgeschrieben werden, was zu dem Thema und der Handlung durch den Kopf spukt. Beginnen Sie mit einem Stichwort, an das Sie freie Assoziationen anreihen, auf die Sie wiederrum weitere Ideen, Stichwörter, u.s.w. anreihen. Ein natürliches, freies Assoziieren bewirkt die blockierende Leere auf dem Blatt zu löschen. Am besten ist es, für einen Fall der spontanen Eingebung immer ein Notizbuch mit sich zu tragen …

Ein typischer Anfang ist der Anfang in medias res. Hier wirft der Autor den Leser mitten in das Geschehen hinein. Ein Anfang, der vom ersten Moment an eine gewisse Atmosphäre wiedergibt und den Leser ohne großen Aufwand in das Geschehen zieht. Hier können Sie zusätzlich einige Tricks anwenden, um Spannung zu suggerieren. Reizen kann dieser Einstieg allein durch diesen Eindruck der Unmittelbarkeit, daher beginnen nicht nur unzählige geschriebene Geschichten wie Romane, Thriller oder Krimis mit einem solchen Satz, sondern auch Filme nutzen diesen szenischen Einstieg um eine starke Anfangsspannung aufzubauen.

An Anfang war das Wort … und die Spannung! Welche Worte eignen sich für einen Romanbeginn?

Dazu können Sie mit bestimmten Worten arbeiten, wie z. B. als, nun, endlich, plötzlich, jetzt oder doch. Der Einbau solcher spannungsgeladenen Worte macht für den ersten Leseeinfluss einen gewaltigen Unterschied, der Leser ist sowohl sofort in der Story als auch neugierig geworden: Er wird weiterlesen.

Ein Beispiel hierzu beleuchtet diese Aussage. Sehen wir uns einen unmittelbaren Einstieg doch einmal mit und ohne solch spannungsgeladene Worte an. Die satierische Erzählung »Die Uraufführung« von  Rudolf Heinemann, der unter unserem Verlagslabel Buch&media veröffentlicht hat, dient als gelungenes Beispiel:

Anton Schiller lebte allein.

                                                            Anton Schiller lebte jetzt allein.

Im zweiten Beispiel wird durch ein einziges Wort eine völlig neue Situation geschaffen, die auf etwas verweist, was zuvor passiert ist, der Leser allerdings noch nicht weiß. Denn der erste Satz ist der erste Satz des Lesers, nicht aber des Autors. Es darf und soll ruhig auf etwas verwiesen werden, eine Wendung inbegriffen. Ein Frage darf sofort mitschwingen: Warum »jetzt«? Warum nicht vorher? Was ist passiert, was der Leser noch nicht weiß?

Letztlich soll der erste Satz aufrütteln und fesseln, wie das genau geschieht, darf das Vergnügen des Autors bleiben. Zum schönsten ersten Satz der deutschen Literatur wurde im Übrigen Günther Grass’ »Ilsebill salzte nach« gewählt.  Die Jury erklärte in ihrer Begründung: »Der erste Satz ist wichtig. In der Liebe wie auch in der Literatur. Ein guter erster Satz entscheidet oftmals schon darüber, ob wir uns in einen Menschen oder in ein Buch verlieben, ob wir berührt werden und uns voller Neugier auf das Versprechen einer guten Geschichte einlassen.«

Nun, auch wenn Sie keine Literaturnobelpreisträger sind: Bei Fragen rund um die Idee bis zum fertigen Manuskript sind unsere LektorInnen liebend gern Unterstützer der Magie des ersten Satzes. Jederzeit können Sie sich an unser fachkundiges Team wenden – nicht nur um die Wahl des ersten Satzes mit uns zu besprechen.

 

Quellen und Anregungen

Der Schönste erste Satz – Eine Auswahl der besten Einleitungen aus der deutschen Literatur 

 

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